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Radwege im Winter – Eine Herausforderung für Winterdienste 

Radwege mit roten oder andersfarbigen Belägen sind in deutschen Städten weit verbreitet und sollen die Sichtbarkeit für Radfahrende erhöhen sowie städtebaulichen Ansprüchen genügen. Allerdings gibt es physikalische Prozesse, die oft unterschätzt werden: Die Farbe des Belags sowie der Untergrund beeinflussen das Temperaturverhalten der Oberfläche und können die Glättegefahr erheblich erhöhen. Zudem sind rechtliche Vorgaben zur Räumung von Radwegen und verschiedene Bauformen nach der Straßenverkehrsordnung (StVO) zu beachten, um die Sicherheit der Radfahrenden zu gewährleisten. 

Der Einfluss der Belagsfarbe auf die Radwegstemperatur 

Oberflächen mit unterschiedlichen Farben und Materialeigenschaften reflektieren und absorbieren Sonnenstrahlung in unterschiedlichem Maße. Dunkle Beläge, wie herkömmlicher Asphalt, absorbieren mehr Sonnenstrahlung und wandeln diese in Wärme um. Dadurch erreichen sie höhere Temperaturen, da sie weniger Licht reflektieren und mehr Energie in Form von Wärme aufnehmen. Im Gegensatz dazu reflektieren hellere Beläge wie Beige oder Weiß einen größeren Teil der Sonnenstrahlung und nehmen weniger Wärme auf. Im Winter führt dies dazu, dass helle Beläge weniger Wärme speichern und schneller abkühlen, wodurch sie anfälliger für Glättebildung sind. Die geringere Wärmeabsorption (Wärmeaufnahme) bedeutet, dass sich Frost oder Eis schneller auf der Oberfläche absetzen kann, was die Gefahr von rutschigen Straßenverhältnissen erhöht. 

Warum rote Beläge auf deutschen Radwegen problematisch sind 

Gerade Radwege mit roten oder farbigen Belägen sind in vielen deutschen Städten weit verbreitet. Sie dienen nicht nur der besseren Sichtbarkeit von Radfahrenden, sondern tragen auch zur ästhetischen Gestaltung des Stadtbildes bei. Doch hinter dieser scheinbar einfachen Lösung verbirgt sich ein oft unterschätztes physikalisches Problem: Die Farbgebung des Belags sowie die Beschaffenheit des Untergrunds beeinflussen das Temperaturverhalten der Oberfläche und können somit das Risiko von Glätte erheblich erhöhen.  

Warum der Taupunkt für die Glättebildung von Radwegen gefährlich ist

Die Taupunkttemperatur ist ein entscheidender Faktor für Glättebildung. Wenn die Oberfläche eines Radwegs schneller auskühlt als die Umgebungsluft, kann sich Feuchtigkeit aus der Luft darauf niederschlagen und gefrieren. Rote oder grüne Beläge haben dabei zwei Nachteile:   

  • Sie geben Wärme schneller wieder ab als klassischer Asphalt und nehmen diese erst gar nicht hinreichend genug auf.   
  • Durch die schnellere Abkühlung unterschreiten sie früher die Taupunkttemperatur, sodass sich Feuchtigkeit eher niederschlägt und möglicherweise gefriert. 

Das bedeutet, dass bereits lokale Temperaturunterschiede von wenigen Grad ausreichen, um Radwege gefährlicher zu machen als die parallel verlaufende Fahrbahn. 

Durch die hellere Farbe und den baulichen Untergrund, der den Wärmeaustausch mit dem Boden unter dem Radweg erschwert, wirken diese neuen Radwege – physikalisch zugespitzt – wie Brücken, mit entsprechend höherer Glättegefahr.

Diplom-Meteorologe Jörg Riemann

Leiter der Meteorologie bei der Wettermanufaktur GmbH  

Radwege wirken wie Miniaturbrücken  

Eine besondere Herausforderung stellt sich, dass sich Radwege im Hinblick auf Glätte oft ähnlich zu Brücken verhalten. Diese Situationen verstärken den Effekt noch: Da Radwege häufig nicht so intensiv wie Hauptstraßen oder Brücken im Winterdienst behandelt werden, bleibt die Glättegefahr oft länger bestehen, wird erst spät oder unzureichend beseitigt und muss häufiger behandelt werden. 

  • Ähnlich wie Brücken sind Radwege von unten belüftet, wodurch sie sich schneller abkühlen als umgebende Straßen.  
  • Der rote Belag verstärkt diesen Effekt zusätzlich, indem er Wärme schneller abgibt.  
  • Die Glätteanfälligkeit steigt, insbesondere bei feuchtem Wetter in den Wintermonaten.  
  • Ähnlich wie bei Fahrbahnbrücken muss daher mit häufigerer Glätte gerechnet werden.  

 

Laut einer Studie der TU Dresden könnte der auf Radwegen übliche Einsatz von Kies als Streumittel überdacht werden. Die Forschung legt nahe, dass alternative Taumittel sowohl die Sicherheit der Radfahrenden verbessern als auch ökologischen Anforderungen gerecht werden könnten 

Materialien und Farben beeinflussen das Glätteriskiko von Radwegen

Trotz der Vorteile farbiger Radwege für die Verkehrssicherheit sollte der Einfluss der Farbgebung auf das Temperaturverhalten ein besonderes Augenmerk bekommen. Vor allem in Regionen mit hohem Frostpotenzial wäre es ratsam, Materialien oder Farben zu wählen, die bessere thermische Eigenschaften aufweisen, um das Risiko von Glätte zu verringern. Darüber hinaus ist eine gezielte und angepasste Winterdienstplanung für Radwege unerlässlich, um deren Sicherheit und Befahrbarkeit auch bei extremen Witterungsbedingungen zu gewährleisten. 

Die Wettermanufaktur hat für diese spezifische Herausforderung ein maßgeschneidertes statistisches Verfahren entwickelt, mit dem sie präzise Prognosen über die Belagstemperatur und den Zustand von Radwegen erstellt. 

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